steinbrück

  • Tag 1 nach dem TVDuell

    Kommunikation ist eine schwierige Sache. Noch dazu, wenn man sie öffentlich, eventuell im Fernsehen und als Politiker, also als Berufsredner betreibt. Das war also das große TV-Duell und alle haben jetzt so viele Meinungen dazu. Davor möchte ich ja fast warnen. Den Kommunikation sagt zum Beispiel oft über denjenigen der was sagt mehr aus, als über die Sache über die er was sagt. Und das gilt überall, ob im familiären Bereich oder auch in der großen Weltpolitik.

    Am Tag 1 nach dem TV-Duell sind sich die Medien vor allem in einem einig, dass es alle gesehen haben müssen, schließlich waren 4 Fernsehsender gleichgeschaltet worden und deshalb muss es eine hohe Bedeutung haben. Über die ist man sich dann zwar nicht ganz so einig, aber immerhin, man gesteht der Fernsehsendung eine Bedeutung von nationalem Rang zu.

    Für mich kommt die Haupterkenntnis aus dem TV-Duell erst jetzt. Denn man kann die Berichterstatter und Medien endlich mal so richtig schön in Schubladen sortieren vor denen sie sich sonst immer so ein wenig zieren und man nie so genau weiß, ob und wie sie was meinen. Heute ist es vergleichsweise einfach.

    Wer im TV-Duell einen klaren Sieg für Angela Merkel gesehen hat, der wird wohl rechts der Mitte im eher konservativen, regierungsfreundlichen Lager zu finden sein. Ähnlich geht es mit den Leuten die einen klaren Sieg für Steinbrück proklamieren. Die sind deutlich im links konservativen Spektrum beheimatet. Je klarer der Sieg in der Berichterstattung jetzt ausfällt, desto weiter links oder rechts, steht der Berichterstatter.

    Es gibt aber wohl nur wenige die einen klaren Sieg für den einen oder den anderen Kandidaten ausrufen. Viele Journalisten einigen sich jetzt lieber erstmal auf ein Unentschieden. Das heißt das TV-Duell hatte keinen Sieger. Da ist es dann schön zu beobachten mit welcher Intensität dieses Unentschieden herbei geschrieben wird. Also ist es eher neutral, dann kann man fast davon ausgehen, dass der Berichterstatter selbst keine eigene Meinung dazu hat. Das er eher sogar Angst hat, er könne etwas falsches sagen, oder man könne ihm in irgendeine Aussage was hinein interpretieren. Schreiben die Medien aber eher von einem Unentschieden bei dem alle verloren haben, vor allem das deutsche Volk und die Wähler, die nur verarscht werden und das selbst (haha) von den Spitzenkandidaten, dann ist davon aus zu gehen, dass diese Medien auch das sowieso geschrieben hätten und eigentlich sowieso ein wenig angepisst sind, dass niemand auf ihre wunderbaren Ideen für unser Land hört. Das heißt hier sind Journalisten am Werk die sowieso alles besser wissen und die nur noch darauf warten dass der Karren endlich komplett gegen die Wand fährt, damit man Sie endlich ernst nimmt.

    Ein wenig in die selbe Richtung, gehen dann die Medien die heute nur einen klaren Sieger kennen und der muss Stefan Raab heißen. Das zeugt vor allem von hoher Selbstverliebtheit der Berichterstatter. Schließlich ist dieser Raab ja einer von ihnen und jeder der eben nicht selbst die Fragen stellen durfte, hätte dass natürlich am ehesten so getan wie der Herr Raab. frisch, innovativ und direkt. Auch da wird sehr deutlich, wie sehr sie eigentlich alle nicht von Raab sondern natürlich von sich selbst reden. Und Medien die selbstverliebt sind, sind insgesamt eher belanglos, wie bei allem selbst verliebten im Leben. Diese Selbstverliebtheit braucht kein gegenüber, sie duldet eventuell die Leser und Hörer und Zuschauer, denn sie kann diese ja verstehen. Man ist ja auch so geil an zu sehen, dass man ja selbst auch am liebsten den ganzen Tag in den Spiegel schauen würde.

    Wer bei der ganzen Berichterstattung hauptsächlich die Kette der Kanzlerin hervorhebt hat entweder gar nicht erst zugehört, oder nichts gefunden bei dem er sich selbst hätte wiederfinden können, außer vielleicht dieser Kette, die ja nicht mal eine wirkliche #schlandkette war, da die Farben ja vertauscht waren. Aber egal, hier haben wir es mit einer wahrscheinlich immer größeren Gruppe Menschen zu tun, die alles unwichtig finden was man nicht direkt auch kaufen kann. Ob Iphone, tablet oder sonstiges. Bei männlichen Vertretern sehr oft extrem technisch ausgeprägt, bei weiblichen auch mal in die Richtung, Kitsch und Nippes tendierend. Vielleicht wäre dass dann auch eine zukünftige Art wie so ein Duell ablaufen könnte. Jeder Kanzlerkandidat entwirft ein eigenes T-Shirt und wer am Ende mehr davon verkauft hat, der wird Kanzler. So etwas würde einem auch ein weiteres TVDuell ersparen.

    Womit wir schon bei einer weitern Gruppe von Schreibern sind. Viele beschweren sich jetzt darüber, dass ja eigentlich gar nichts raus gekommen sei bei dem Duell und das müsse gefälligst an den Regel liegen. Das Wort Duell legt euch zwar nahe, dass es am Ende einen toten geben muss. Hier liegt ein großer, eventuell nur Sprachlicher Irrtum der Journalisten vor. Ein Duell bedeutet nicht das am Ende einer tot vom Platz getragen werden muss. Im Gegenteil, es war sogar eher selten, dass ein Duelant getötet wurde. Es ging viel mehr darum, für die Ehre an zu treten in so einem Zweikampf und das galt für beide Parteien. Nicht darum die andere Partei komplett zu vernichten. Wer davon ausgeht hat zu viele falschen Filme gesehen. Sicherlich wünscht sich ein Medienmensch gerne auch ein wenig Action, schließlich weiß er dass davon die Quote abhängt. Aber wer ernsthaft davon ausgeht, dass sich zwei Menschen die seit Wochen, Monaten, Jahren auf einen Wahltermin hinarbeiten an einem Fernsehgespräch bei dem sie sich um Kopf und Kragen reden müssten teilnehmen, der verkennt doch Politik komplett. Welcher Journalist würde zu einem Wettkampf antreten mit einem anderen Journalisten bei dem dem Verlierer am Ende beide Hände und eventuell die Zunge abgehakt werden? So dass er definitiv nichts mehr mit seinem ganzen Wissen und seinen Journalistischen Fähigkeiten anfangen kann. Also ist die Gruppe die verschärfte Regeln für so ein Duell fordert in der Spalte der Utopisten zu finden. Wahrscheinlich sogar in der Spalte der Utopisten ohne Ahnung von Politik und wenig Wissen von Menschen.

    Eventuell gibt es noch Menschen die wirklich gar nicht darüber reden, bzw, die einfach nur ihre Ruhe haben wollen vor dem Zeug. Das ist vielleicht die traurigste Gruppe, denn die hat mit allem bereits abgeschlossen. Das sind die verlorenen, die eh keinen, oder wenig Sinn in irgendwas finden. Im besten Falle behaupten Sie sich nur für Politik nicht zu interessieren, aber sobald man sich für irgendwas interessiert, sei es für Autos, oder guten Wein, oder seine Kirchengemeinde, oder die Natur, oder auch nur seine Ruhe und deshalb kein Asylantenheim neben sich will, so ist das bereits alles politisch. Politik ist also längst Bestandteil unser aller Leben und dann zu sagen, es interessiert einen nicht, also so gar nicht, das zeugt doch schon sehr von einer inneren Distanz zum Leben selbst. Diese Gruppe von Menschen tut mir ja fast Leid, aber andererseits haben sie nicht mal mein Mitleid verdient.

    Wir reden heute also alle von einer 90 Minuten TV Sendung von der scheinbar viele erwartet haben, dass sie plötzlich alles lösen wird. War das realistisch? Oder anders gefragt, wäre das gut gewesen? Ich denke nicht. Ich persönlich glaube, das Duell ist so verlaufen wie es verlaufen musste und auch konnte. Keine großen Überraschungen, aber damit war wie gesagt auch nicht zu rechnen. Ein paar Standpunkte die man vielleicht schon kannte sind eventuell klarer geworden bei der Sache und das ist schon ziemlich viel was bei so einer Sendung heraus kommen kann. Eine politischen Willensbildung und somit Wahlentscheidungshilfe sollte man nicht von einer Sendung erwarten. Die muss man sich über lange Zeit und das vergleichen der eigenen Ideen mit denen der Parteien und Personen in der Politik aneignen. Erst dann kann man wissen was man will und eventuell auch wenn man wählen muss um das zu bekommen. Man sollte also selbst eine Vision von seinem Land seinem Leben im Kopf haben und in welche Richtung es sich entwickeln soll, dann bringt einem eventuell auch ein Kanzlerduell etwas und man muss am Ende nicht raten wer jetzt wie und warum der Sieger war. Man kann es einfach kucken und für sich selbst die besten Schlüsse ziehen.