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Kaum zu glaube, aber wahr, unsre Bundesrepublik wird 60 Jahr! Der sechzigste Geburtstag ist meist der Anfang vom Ende. Jetzt sind es nur noch 5 oder auch 7 Jahre bis man das Arbeiten endgültig einstellen kann und den "wohlverdienten" Feierabend endlich genießen kann. Wenn man aber wie so oft, sein Leben lang gearbeitet hat und seit Jahren ne feste Position hat, dann kann man sich eventuell auch schon jetzt frühverrenten lassen. Einerseits um das Leben zu genießen, solange man noch kann und andererseits natürlich um seinen Platz für die Jüngeren frei zu machen. Sagt zumindest dein Chef. Spätestens ab jetzt werden alle 5 Jahre die Geburtstage wieder größer gefeiert. Schließlich werden es jedes Jahr weniger alte Weggefährten und wenn man selbst noch da ist, ist das oft schon Grund genug zum feiern, wenn man dem Tod wieder ein Schnippchen geschlagen hat. Man hat längst bemerkt, das man eigentlich nur noch damit beschäftigt ist, den Verfall aufzuhalten um dann im Wettrennen auf das Ende alle anderen doch zu überleben. So als könne man erst zufrieden abtreten, wenn alle anderen vor einem gegangen sind, auch wenn man doch längst weiß, dass man den Tod nie besiegen wird. Ab dem 60igsten Geburtstag wird einem aber oft erst klar, dass man dem Tod wirklich näher ist als dem Leben und es wird noch mal so richtig gelebt. Mit all den kleinen Sünden die man noch darf. "Ach das geht nicht mehr wegen meines Cholesterins und das nicht mehr wegen der, Leberwerte und auf den Kreislauf und die Pumpe muss man ja auch achten, aber heute lassen wir es uns nochmal so richtig gut gehen." Bei entkoffeniertem, dünnem Kaffee, Diabetikerkuchen und vielleicht dann heimlich doch ein kleines Likörchen über das man sich diebisch freut, wenn es keiner mitbekommt. Was einem aber auch die kompletten Körperfunktionen durcheinander wirbeln kann. Wer noch etwas besser in Form ist, schwingt sich seit neustem auf die Harley oder macht noch mal ne kleine Weltumseglung. Wieder andere rennen an die Uni und tragen sich ein um das Studium noch nach zu holen, was einem Jahrelang das berufliche weiter kommen verbaut hat. Hätte man es mal früher gemacht, dann wäre man sicherlich auch noch ne Stufe weiter gekommen. Für den einen oder anderen sind die vielen jungen Menschen an der Uni selber wie ein Jungbrunnen. Die Anderen sind eher enttäuscht, wenn sie feststellen, dass man selbst eigentlich fast alles schon wusste, aber einem einfach nur dieser blöde Abschluss im Lebenslauf gefehlt hat. Viele verbittern im Alter. andere werden immer milder und nachsichtiger, man könnte auch sagen desinteressierter. Wieder andere wollen, das aber jetzt auf jeden Fall nochmal alles nach ihrer Pfeife tanzen muss, denn wo kommen wir den hin, wenn hier jeder macht was er will? Auf den 60igsten wird dann auch oft in Vergangenheit geschwelgt. Ach was waren das noch Zeite, als wir damals mit dem Bollerwagen losgezogen sind um wenigstens ein bischen was zu essen zu haben. (Mit Verlaub, Scheiß Zeiten waren das!) Aber im Rückblick wird vieles so verklärt und schön geredet. Na ja, es hat einen ja auch nicht umgebracht und wenn man es so sieht ist es natürlich schon schön, dass man so viel durchgemacht hat um heute noch da zu stehen, wo man denn steht. Also stoßen alle noch mal an, aber das Bier nicht mehr so kalt, wegen des Magens, oder doch lieber gleich ein Verdauungsschnäpschen zu viel? Die Erzählungen der "alten" Geschichten werden immer pathetischer. Schließlich muss man schnell, vor dem Ende, nochmal alles an Wichtigkeit in die eigenen Worte legen, damit man nicht zugeben muss, dass man das wenigste der ganzen Geschichten wirklich selbst in der Hand hatte. Vieles was sich in Wahrheit vielleicht einfach so ergeben hat, hat man dann ja rückblickend meist selbst "gemeistert". Weil man so schön und groß und stark war. :) Also direkt nachdem es einem vorher viel schlechter ging als den Leuten von heute. Das hatten wir ja alles damals noch nicht. Das Problem bleibt, ab 60ig, tun die wenigsten Menschen noch wirklich "weltbewegendes". Entweder aus persönlichen Gründen, weil sie haben ja früher schon...., oder aus gesundheitlichen Gründen, weil sie können ja nicht mehr so....., oder aus resignativen Gründen, ach auf mich hört ja jetzt eh keiner mehr. Dabei werden "Die Alten" selbst für die Werbung immer wichtiger und regelrecht geadelt, wenn sie als "Best agers" um tituliert werden? Und auch in den Unternehmen hat man längst wieder festgestellt, dass die Alten ziemlich viel Erfahrung haben und es somit durchaus sinnvoll ist, diese Erfahrung wenigstens noch weiter gegeben zu haben, bevor man endlich, Entschuldigung, endgültig, von der Bühne ab tritt. Und in der Tat, was hat man noch zu verlieren? Was man verlieren konnte, das hat man entweder längst verloren, oder eben auch gesichert. Also warum nicht, nochmal raus auf die Straße und demonstrieren. Für eine bessere Welt von Morgen kämpfen. Nun ja, weil man sich fragt: Für wen eigentlich? Man hatte ja nie vor irgendwas für die "jüngere" Generation zu tun. Und hat man nicht schon genug getan in dem man die Plagen erzogen hat? Jetzt müssen die doch selbst sehen wie sie mit der Welt klar kommen. Wir haben ja auch nix mehr davon, denn wir müssen ja bald gehen und uns hat ja damals auch keiner geholfen? Wirklich? Schon spannend wie so ein Blick zurück doch die Sicht vernebeln kann. Sicherlich haben die Trümmerfrauen dieses Land wieder aufgebaut und alles mit eigener Hände Arbeit. Sicherlich, war das Wirtschaftswunder unter keinen Umständen etwas anderem zu verdanken wie dem Willen was aus seinem Leben machen zu wollen. Und sicherlich wäre der Himmel heute sogar rosa, wenn man sie damals einfach hätte weitermachen lassen. Was bleibt einem also als jüngerer Mensch, auch wenn ich natürlich selbst eigentlich nicht mehr zur Jugend gehöre. Man tun, was man auf solchen Geburtstagsfeiern immer macht. Man versucht das ganze einfach über sich ergehen zu lassen. Man sieht zu, dass man sich nach dem Essen, was tatsächlich oft ganz ok ist, möglichst zügig wieder verabschiedet. Es bringt einem ja nix, die alten "Heldengeschichten" die man eh schon kennt immer wieder erzählt zu bekommen. Es würde einem vielleicht sogar mehr helfen, wenn der oder die Alte endlich abkratzen würde, dann wäre wenigstens das Geld dass sie angehäuft haben wieder frei und man könnte selbst was damit tun. Aber bei der Konstitution wird der Alte locker hundert. Bis dahin ist man selbst alt, die Kohle längst weg, oder nichts mehr wert. Schöner Mist, aber na ja, der eine Tag wird schon auch um gehen und man kann heute Abend wieder in sein wirkliches Leben zurück in dem einen schon genug Dinge plagen. "Ach was haben wir damals alles gemacht!" Wir haben ja eigentlich 24 Stunden rund um die Uhr gearbeitet um uns endlich mal ein Auto leisten zu können und dann mit dem eigenen Auto, die erste Tour nach Italien. Während der Luigi und der Antoni hier als Gastarbeiter her kamen. Wir haben lange gespart bis wir uns unseren VW Käfer endlich leisten konnten. Aber Halt! Vielleicht ist das ja ein kleiner Lichtblick. Immerhin hat Wolfsburg, eine kleine völlig unbedeutende Mannschaft es heute geschafft sich die Deutsche Meisterschaft zu sichern. Überhaupt, was war das für eine Saison? Hoffenheim, Wolfsburg? Wie können so kleine unwichtige Vereine die "Alten" so stören? Indem dort Alte gesagt haben, wir geben die Kohle, wir geben den Jungen ne Chance das zu machen was sie richtig finden und wir hängen uns und unsere Erfahrung, wenn es nötig ist, auch noch selbst voll mit rein, nicht bevormundend davor. Vielleicht ist dass dann auch das Positive am heutigen Tag. Wenn sich Erfahrung, die eines Felix Magaths z.B. mit dem Geld von VW paaren. Wenn sich junge wilde Spieler wie in Hoffenheim mit dem Geld eines Dietmar Hopp paaren, dann kann vieles gelingen was man der Kombination Jugend und Alter nicht zugetraut hätte. (Leider bleibt auch hier das Negativbeispiel FC Bayern München, wo junge Ideen und alte Erwartungen wohl im falschen Verhältnis gemischt waren. Dort hat der "junge" Wilde sich wohl auf zu viele Kompromisse eingelassen die ihm die alten Erfahrenen vorgegeben haben. Aber das Endergebnis ist dann wohl doch noch zumindest OK, selbst wenn man es mittlerweile schon komplett seinem Nachfolger zuschreibt.) Es bleibt also, die Erkenntnis, das Ruder bei Zeiten an die Jungen ab zu geben und ihnen möglichst viele Möglichkeiten zu schaffen. Und trotzdem sollen die Alten nicht einfach verschwinden und auf Lebensendurlaub gehen. Sie sollen wach dabei bleiben und daneben stehen um im Notfall die entscheidenden Hilfen, Tipps und Tricks bei zu steuern. So klappt das mit der Meisterschaft und so klappt das auch mit dem Land. In diesem Sinne, alles Gute zum Sechzigsten.