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Die Finanzkrise

Es ist schon komisch. Jeden Tag meldet sich immer noch jemand, der jetzt plötzlich am Ende ist und dringend Hilfe braucht. Jetzt muss ich mich, als ausgewiesener Finanzkrisenexperte, schließlich lebe ich seit vielen Jahren ständig in einer, auch mal zu Wort melden.  Die Automobilindustrie nervt mich persönlich im Moment am meisten. Alle schreien jetzt, dass niemand mehr Autos kaufen möchte. Was Quatsch ist. Die Leute wollen nur andere Autos kaufen, als diejenigen die ihr produziert habt. Kleine, Spritsparer gehen immer noch ganz gut im Verkauf. Dumm nur wenn man Jahrelang nicht auf solche Autos gesetzt hat und dicke, teure Spritschlucker gebaut hat.

Wenn man genau hinsieht liegt darin wohl der Kern der ganzen Krise. Haben die Banken, denn nicht auch jahrelang auf die falschen Pferde gesetzt?

So wie es sich mir im Moment darstellt, schreit die Industrie jetzt, die sich Jahre, ja Jahrzehntelang gemütlich da eingerichtet haben wo sie sind. Das heißt, wer aufhört nach links und rechts zu kucken, den Markt zu beobachten und denkt er kann den Markt bestimmen, der wird früher oder später immer überrascht werden, wenn der Markt ihn nicht mehr braucht. Bleibt die Frage, ob man solche Unternehmen dann wirklich retten soll? Denn es bringt doch eigentlich nichts, wenn derjenige, dem man ein Rettungsseil zu wirft, dann alle mit runter zieht. Oder wenn man um einen alten Baum zu retten, die vielen, vielen kleinen Bäumchen drum herum Platt tritt. Dann verliert man irgendwann beides. Sowohl der alte Baum wird sterben, wie auch keine neuen nachwachsen. Auch wenn es hart ist, es ist deutlich sinnvoller die alten Bäume sterben zu lassen und dem neuen eine Chance zu geben. So hat es die Evolution nun mal gedacht und auch wir und unser Wirtschaftssystem müssen uns da einfach darauf einrichten. Zumal außer Frage steht, dass jedem Unternehmen frei gestanden hätte rechtzeitig auf neue Pferde zu setzen.

Joschka Fischer hat in der „Zeit“ in den letzten Wochen einen spannenden Kommentar gegeben. Er war der Meinung dass man jetzt auf alternative Industrien setzen muss. In einer Krise, hat man immer die Chance sich neu, ja, sogar gut zu positionieren. Nur diejenigen überleben eine Krise, die flexible genug sind, aufmerksam sind und dann die richtigen Schritte einleiten. Wer jetzt denkt, er muss krampfhaft festhalten, an dem was er die ganze Zeit hatte, der wird bemerken, dass es ein Problem gibt. Je mehr Sie versuchen etwas fest zu halten, desto mehr davon wird ihnen weg bröckeln. Nehmen Sie sich eine Salzstange oder so was und versuchen diese wirklich fest zu halten. Dann halten sie sie noch etwas fester und sie bricht und wird ihnen so wie sie den Druck erhöhen immer feiner zerbröseln in der Hand. Am Ende haben Sie gar nix, oder nur sehr kleine Krümmel in der Hand. Sobald die Hand an dem was drin liegt drückt und presst, kann sie auch eine weitere Sache nicht tun. Nämlich offen sein für neues. Nur wenn sie die Hand locker lassen und öffnen können sie mehr hineinlegen und das Neue halten.

Daher, sollte man jetzt einfach die Krise als Chance sehen. Das klingt zwar wie aus dem Esoterikhandbuch für Verlierer. Aber nur so lernt man doch hinzu und kann was ändern. Wer durch die Krise geht und nichts hinzu lernt, sondern krampfhaft festhält, der ist wahrlich dumm und die Evolution wird ihn irgendwann ausrotten. Und womit? Mit Recht!

Also hört auf zu jammern und baut andere Autos. Hört auf Angst zu haben und gebt euer Geld weiter so aus wie bisher. Steht nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sondern packt an und verändert euch. Beobachtet was die Leute wirklich wollen und was sinnvoll für sie ist und ihr habt eure neuen Märkte. Schafft Neues und gebt ihm eine Chance, statt an dem alten Schrott fest zu halten.

Eine Krise ist immer eine Chance und wer Angst hat, der hat die meistens zu Recht, denn Angst davor etwas zu verlieren führt dazu, dass man etwas verliert und steigert somit die eigene Angst. Das ist ein Teufelskreislauf der einen nach unten zieht. Grade in Deutschland wird immer sehr viel lieber schlecht geredet. Weil es so einfach ist. Was andere an Neuem versuchen wird oft aus Neid und Missgunst klein geredet und so oft schon im Ansatz kaputt gemacht. Wenn wir uns wirklich weiter entwickeln wollten sollten wir damit aufhören uns so zu verhalten. Wir sollten uns überlegen was wir selbst verändern, verbessern, erneuern, können.

Ziemlich gutes aber trauriges Beispiel ist zur Zeit wohl Opel. Opel hat, im Vergleich ziemlich solide und kleine Familienautos gebaut. Durch den Druck von GM war Opel so wieso immer schon dazu verdammt noch ein Tick produktiver zu sein. Und jetzt, wo Sie alleine genommen eigentlich den Vorteil daraus ziehen könnten, lässt Sie GM nicht gehen, denn die haben jahrelang gut von Opel gelebt, auch wenn Sie das nie zugeben würden. Womöglich machen sie damit aber beides kaputt. Opel und sich selbst. Ich kann nur sagen, dass der Ansatz der Solarworld ein sehr spannender Ansatzpunkt ist. Wann wenn nicht jetzt darf man solche Ideen „spinnen“? In ein paar Jahren, oder Jahrzehnten sind sie zur Normalität geworden, ziemlich sicher. Solche „grüne Industrie“ wird unsere Zukunft bestimmen. Und wer das immer noch nicht verstanden hat, der soll sich doch bitte selbst für den Darwin Award melden, denn er gehört ausgestorben.

Es gab mal eine Stadt in Japan, die war komplett „besetzt“ von Toyota. Keine Industriefläche in der Stadt hatte mit irgendwas anderem zu tun, außer mit Automobilien. Dann beschloss Toyota, dass sie an diesem Standort einfach nicht mehr weiter wachsen können und das komplette Werk in eine andere Stadt verlegen, weit weg. Journalisten aus dem weiten Westen, fragten den Bürgermeister der Stadt, ob er nicht sehr traurig sei über diese Entscheidung und ob er nicht dafür kämpfen wolle, das das Autowerk in der Stadt bleibe. Und Sie glauben nicht was der Mensch gesagt hat. Der verstand die Fragen der Journalisten nicht. Warum solle er traurig sein? In seinen Augen war das ein Seegen. Denn dann komme endlich diese „alte“ Industrie aus der Stadt und er habe Platz um neue Industrien, mit Computern z.B. an zu siedeln. So war die Stadt am Ende und nur durch den Wegzug der Autoindustrie könne doch wieder was neues entstehen. Das verstanden die westlichen Journalisten nun wieder fast nicht. :)

In diesem Sinne, sende ich morgen mein Übernahmeangebot an den Opel.

 

Nachtrag:
Weltweit ist es immer noch so, dass Japan der größte Autoproduzent ist. Warum höre ich eigentlich keinen japanischen Autobauer jammern? Oder sollen da wieder mal nur die Medien dran schuld sein? Übersetzt uns vielleicht niemand das japanische Gejammer?