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1.
Man stelle sich vor, dass die halbe Polizei Südwestdeutschlands sucht eine unglaublich grausame Frau. Sie hat eine Polizistin ermordet, viele Überfälle gemacht und trotz modernster Ermittlungstechniken wird das Bild dieser mysteriösen Frau immer schwammiger. Ja schlimmer noch. Diese "brutale Frau" sitzt die ganze Zeit in München in einer Pharmafirma und verpackt Wattestäbchen.
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2.
Die beiden KaDeWe Diebe sind beide auf freiem Fuß, weil man durch gentechnische Untersuchungen keinem der beiden eindeutig die Tat nachweisen kann. Ist das ein Freibrief für alle eineiigen Zwillinge überall ein zu steigen, oder einen Bruch nach dem nächsten zu machen.
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Die Gentechnik und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten in der Ermittlung scheinen zum ersten mal auch Fehler und Grenzen zu bekommen. Die ganze Zeit schien es so, als hätte kein Verbrecher mehr eine Chance gegen seine eigene DNA. Das ist gut für die Kriminologen, aber schlecht für die Krimiautoren. :)
Wichtig dabei ist die scheinbar trügerische Sicherheit, in der man sich lange auf diese neuen Techniken verlassen hat. Jetzt steht man vor dem Punkt, an dem man mal wieder drüber nachdenken muss und das ist gut so.
Wir verlassen uns viel zu oft auf die Vorgaben der Technik und Forschung. Aber wie der Name Forschung schon sagt, sind das auch erst mal nur Zwischenergebnisse.
Vielleicht nicht ganz direkt, aber indirekt schon, passt dann dazu, das heutige Jubiläum des Frauenhofer Instituts. So musste ich doch gerade eben in "nano" einen Beitrag darüber sehen, dass beim Frauenhofer Institut bereits komplette Überwachung der Lebensfunktionen von Menschen in einer Musterwohnung möglich sind. Das heißt, die Wohnung erkennt, wenn der Stock des Bewohners umfällt und fragt ihn dann ob er auch umgefallen ist. Sagt er nix, ruft die Wohnung den Krankenwagen. Wenn ich mir jetzt überlege wie oft mich mein Rechner schon nervt mit Botschaften und Meldungen. "Sie haben unbenutzte Symbole auf dem Desktop. - Soll ich die schnell mal löschen?" und ähnliches, dann graust mir vor diesen Wohnungen.
Das schlimme ist, sobald ich mich darüber auf regen würde, registriert das Haus, dass ich erhöhten Blutdruck habe und wird mir wahrscheinlich sagen, dass ich mich doch bitte wieder beruhigen soll. Aber wenn der Rechner besser weiß, was gut für mich ist, dann regt mich das auf.
Im Ernst jetzt.  So ein Haus kann den einzelnen Bewohner zwar komplett überwachen, (ausnahmsweise sag ich zur totalen Überwachung die dadurch endlich Wirklichkeit wird mal nichts) aber die Vergleichsdaten sind Durchschnittsdaten mit denen verglichen werden kann. Weiter nichts. Das heißt, sobald ein Mensch mal wieder an seine Grenzen geht wird ihn der Rechner zurück pfeifen. Kann man sich so weiter entwickeln? Sicher nicht. Ist dieses über Gebühr schonen wirklich gut? Ich befürchte fast das funktioniert nicht.
Wenn man danach geht, was die Wissenschaft mir empfehlen würde, dürfte ich am 5ten April ganz sicher nicht beim Halbmarathon mitlaufen. Es macht mir aber Riesenfreude, es ist wahnsinnig anstrengend und trotzdem tut es mir im Endeffekt gut. Und ich werde es tun, aller Statistik und aller Wissenschaft zum trotz. Der Mensch entwickelt sich nur weiter, wenn er bis an seine Grenzen geht und manchmal, immer mal  wieder, auch einen Schritt darüber hinaus.
Wer sich also auf klare eindeutige Beweise verlässt, ist unter Umständen doch verlassen. Zumindest von seinem guten Menschenverstand. Er mag uns manchmal in die Irre führen, aber wenn man ihn schärft und immer wieder nutzt, ihn bis an seine Grenzen treibt und manchmal darüber hinaus, ist er durch nichts zu ersetzen.

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Die ITB 2009 ist ein Mysterium.
Nach dem ersten Rundgang fand ich es fast erfrischend "exotisch" dass, so groß über das Reiseziele Deutschland geredet wird  und dass diesem Thema so viel Raum gewidmet wird. Das hat sogar Spaß gemacht. So was schafft darüber hinaus auch eine gute Basis. Die Krise gibt vor, dieses Jahr bleiben wir alle zuhause, dann können wir es nächstes Jahr wieder richtig krachen lassen was den Urlaub angeht.
Vielleicht nicht mal das schlechteste in einer Wirtschaftskrise.

Apropo, von der viel Zitierten und besagten ist allerdings irgendwie kaum was zu spüren. Zumindest nicht was die Anzahl der Fachbesucher angeht. Egal wo man nachfragt, wird einem immer wieder gesagt, wie überrascht alle sind über so viele Besucher. Das mag nicht ganz auf die Länderspezifischen Stände zu treffen und auch der Freitag hat dann doch ein wenig geschwächelt, aber das Geschäft wird dieses Jahr hinter den Kulissen, in den tieferen Hallen, leicht abseits der üblichen Routen gemacht. Die Fachbesucher scheinen nicht mal zu wissen das wir eigentlich Krise haben und uns doch gefälligst zurück halten sollten. Oder Sie haben tatsächlich verstanden wie man der Krise am besten begegnet.

Doch man kann es dann teilweise feststellen, dass sich was verändert hat.
Interessanterweise haben wohl viele Aussteller Ihre Messestände abgespeckt. Wenn ich mich an die Messestände des letzten Jahres erinnere, dann war da vieles sehr opulent und bunt. Dieses Jahr strahlen die Messestände aber alle mehr klare Schlichtheit aus. Und das ist gerade für mich fotografisch ein kleines Problem. Designtechnisch mag Klarheit und Schlichtheit ja ganz nett sein, aber es macht es dann einfach nicht leicht die Stände voneinander zu unterscheiden. Das macht den Vorteil des vielen Raums für Deutschland dann wieder weg. Die Stände sind die selben und wenn Bayern nicht Blau, BaWü nicht gelb, Hessen nicht rot und NRW und Sachsen nicht schwarz gewesen wären hätte man die einzelnen Länder kaum auseinander halten können. Alles wird so austauschbar. 

Zumal die ITB Messe ja auch noch mit einer anderen Besonderheit aufwartet. Im Gegensatz zu vielen anderen Messen sind hier ja an den einzelnen Ständen oft noch viele kleine Unterständchen. Hinter jedem Tisch sitzt jemand. Macht auf mich den Eindruck eines Holiday-Speed-Datings. Und wie bei einem echten Speeddating sind die Ergebnisse dann wohl eher fraglich.

Und noch etwas ist sonderbar. Kommen Sie an einen Stand und haben konkrete Fragen zu einem bestimmten Thema, dann hören Sie immer wieder den Satz: "Das tut mir leid, da bin ich nicht Ihr richtiger Ansprechpartner, aber Herr oder Frau Dingsda sind in einer Stunde wieder da, wollen Sie nicht dann wieder kommen?" Das ist sehr irritierend für mich, denn wenn man die Leute nicht an den Ständen treffen kann, dann braucht man auch keine Messe. Denn die paar Entscheider kenenn sich doch sowieso alle untereinander und haben sich schnell auch mal zusammen telefoniert wenn es was wichtiges gibt. Muss man sich dann noch zum größten Branchentreffen zusammen finden? Wenn die Entscheider irgendwie grade nicht verfügbar sind und sich kein Unternehmen und kein Land mehr traut sich wirklich richtig repräsentativ und bunt selbst darzustellen? Ein Beispiel sind zum Beispiel die Messestände der Türkei und Spaniens, Beide hell und weiß und aufgeräumt und wenn die Türkei nicht rote und Spanien nicht gelbe zusätzliche Tupfen verteilt hätte, man wüsste gar nicht wo man sich gerade befindet.

Selbst die eigentlich wohl immer noch reichen arabischen Länder haben fast geschloßen den selben Messeauftritt wie im Vorjahr mit gebracht. Einzig der Iran, hat einen deutlich kleineren, dafür aber sehr atmoshärischen Stand. Palästina steht klein in der Ecke, während Israel ne halbe Halle hat, nur wenige Meter entfernt, aber auf jeden Fall eine andere Halle.

Am Ende bleibt man dann doch wieder bei den Exoten hängen.
Man freut sich über die vielen bunten kleinen Stände aus der Südsee und aus Afrika. Da wird dann auch mal noch vor dem Stand getanzt. Irgendwie scheint dort noch die Welt in Ordnung zu sein. Und so sind es dann doch wieder die Malediven, oder ähnliche Ziele, die Ihre Anziehungskraft voll und ganz ausspielen können. Die Ziele, die einladen zum träumen. In der Krise träumt es sich eben besser. Dafür ist ja keine Zeit, wenn alles läuft und läuft und läuft.

Fotos zur Messe gibts im Fotobereich von Essentialdream (gibt es nicht mehr, alles umgezogen oder eingestellt im Web.)